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Pressestimmen


"Franz von Assisi im Aquarium"

Eindrucksvolle Premiere einer Brecht-Eisler-Interpretation im Sitiftsschaffneikeller

Er sei in Hollywood so fremd und isoliert "wie Franz von Assisi im Aquarium" hat Bertolt Brecht 1941 in sein Arbeitjournal geschrieben. Was die Sängerin Gesine Heinrich am Samstagabend im Stiftsschaffneikeller vortrug, das gab genau dieses Ohnmachtsgefühl in der größten kulturellen Diaspora des 20. Jahrhunderts wieder.
Die Ohnmacht zweier herausragender Künstler beschrieb die Westfälin, die seit ihrem Philosophiestudium in Freiburg lebt. Zum einen die künstlerische Prostitution des Duos Bert Brecht und Hanns Eislers in Hollywood, zum anderen die Hilflosigkeit gegen Rassismus, Judenverfolgung und Krieg. Nirgends brachte die Interpretin die politische Resignation besser zum Ausdruck als in der gnadenlosen Ballade zum Knopfwurf aus Brechts großer Faschismus-Satire "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe". Das Lied aus den Vorkriegsjahren erzählt vom Knopfwurf, der über das Weltgeschehen entscheidet. Aber weil die Löcher auf beiden Seiten sind, steht fest: "Unrecht oder Recht, du wirst bezahlen". Aus dem gleichen Bühnenstück waren die grandiose Ballade vom Wasserrad, das Lied von der belebenden Wirkung des Geldes und das frivole Lied der Nanna entnommen.

Die Lieder mit streng antifaschistischem und pazifistischem Hintergrund standen als Rahmen am Anfang und Ende der zweistündigen und gut besuchten Programm-Premiere. Kernstück des Programms waren Stücke aus dem "Hollywooder Liederbuch" nebst dem eigenen Zyklus der "Hollywood-Elegien". Nicht ohne Grund. Denn viel mehr als die kommunistisch gefärbten Lieder, deren Botschaften nicht ohne weiteres aus dem Kontext ihrer Entstehungszeit auf die Gegenwart übertragen werden können, hat die Hollywood-Kritik nichts an Aktualität eingebüßt.
"Jeden Morgen, mein Brot zu verdienen, geh´ ich zum Markt, wo Lügen verkauft werden, hoffnungsvoll reih´ ich mich ein unter die Verkäufer" singt da die Heinrich auf der Lahrer Kleinkunstbühne. Und sie singt es deshalb so überzeugend, weil nicht nur zu Brechts Zeiten hochkarätige Künstler ihren Lebensunterhalt mit unwürdigen Tätigkeiten verdienen und ihre eigene Haut zu Markte tragen mussten.

Lahrer Zeitung, 01.12.2003
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